Opium – Tagebuch einer Verrückten (DVD)
Genre: Drama
Regie: János Szász
Darsteller: Ullrich Thomsen, Kirsti Stubo, Zsolt László, Enikö Börcsök
„Opium – Tagebuch einer Verrückten“ ist eine deutsch-ungarische Co-Produktion. Ich muss zugeben, dass ich nicht gerade viele Filme aus Ungarn kenne. Und dieses Psychatrie-Drama ist eine nicht gerade leicht verdauliche Kost. Vielmehr handelt es sich hier um einen anspruchsvollen Kunstfilm, auf den man sich entweder einlassen kann oder nicht.
„In den Gemäuern einer Irrenanstalt im Ungarn des Jahres 1913, tritt Dr. Brenner (Ulrich Thomsen) als neuer Anstaltsarzt seinen Dienst an. Er steckt in einer Krise: Die Schreibblockade, unter der er leidet, bekämpft er mit Sex und immer größeren Mengen an Morphium. Kaum in der Anstalt wird er mit dem Fall der jungen Gizella konfrontiert, einer Frau, die behauptet, vom Teufel innerlich verzehrt zu werden, die von wilden Anfällen und extatischen Krämpfen geschüttelt wird. Gizella und ihre Tagebücher, die sie schreibt, als ob es ums Leben ginge, ziehen ihn ob seines eigenen Unvermögens zu schreiben an, genauso wie sie ihn noch mehr seiner Kräfte berauben. Dabei hat sie nur einen Wunsch an ihn: Er soll ihr das Gehirn entfernen, damit sie vergessen kann...“ (Quelle: Ascot Elite)
Der Film basiert auf den packenden Tagebüchern des ungarischen Schriftstellers, Arztes und
Morphinisten Géza Csáth. In wie weit die Geschehnisse im Film nun der Wirklichkeit entsprechen, lässt sich von mir nur schwer beurteilen. Es ist allerdings schon erschreckend, mit welchen Methoden und Apparaturen die Ärzte damals noch bis ins 20. Jahrhundert gearbeitet haben. Die Behandlungsmethoden scheinen aus dem tiefsten Mittelalter zu stammen und erinnern oftmals mehr an sadistische Folter als an Heilpraktiken. Mitten in dieser fast unwirklichen Umgebung entwickelt sich eine Beziehung zwischen der offensichtlich geisteskranken Gizella und dem unter Schreibblockade leidenden und Morphium süchtigen Dr. Brenner.
Dabei hat man bereits zu Beginn leichte Schwierigkeiten, in die Geschichte einzusteigen. Die Erzählstruktur wirkt manchmal etwas undurchsichtig und macht stellenweise sogar einen plan- und ziellosen Eindruck. Dies spiegelt zwar die verwirrende und angespannte innere Situation der beiden Hauptakteure wieder, macht sich aber auf Dauer unangenehm bemerkbar. Auch die Behandlungs- / Foltermethoden sowie die überraschend freizügigen Sexszenen (sowohl Masturbation als auch Geschlechtsverkehr) wecken beim Zuseher einen ungewohnten und wahrscheinlich auch ungewollten Voyeurismus. Die drastische Darstellung schiesst weit über das Ziel hinaus und wirkt eher aufgesetzt als schockierend.
Leider kann auch die Geschichte selbst nicht über die genannten Schwächen hinwegtäuschen. Das Ende dieser abnormen Beziehung lässt sich schon früh erahnen, die Rivalität zwischen Dr. Brenner und dem Anstaltsleiter bringt den Plot nicht voran und wenn man die Story auf das Wesentliche reduziert, ist diese recht dünn.
Der Film lebt hauptsächlich von den hervorragenden Darstellern (Göttlich gut: Kristi Stubo als geistesgestörte Gizella) und seiner düster-melancholischen Bildsprache. Die kargen Gemäuer der Anstalt wurden gut eingefangen. Der Schauplatz wirkt trost- und hoffnungslos, so wie das Leben der Insassen.
Man merkt, ich konnte mich nicht wirklich auf den Film einlassen. Er hatte zuviel Leerlauf während der storytechnisch dünnen zwei Stunden. Die drastische, teils verstörende Bildsprache wird sicher auch für Kontroversen unter Filmfreunden sorgen. Wer sich auf anspruchsvolles Kunstkino einlassen kann und will, sollte es mit „Opium – Tagebuch einer Verrückten“ ruhig mal versuchen.
Wertung: 5 von 10
M E N S C H E N F E I N D